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Riesterrente ist Volksverdummung

Obwohl ich bereits im Februar 2014 hier im Blog die Riesterrente kommentiert habe und sie bei uns im Unternehmen in den letzten 15 Jahren nur etwa zehn Mal einem Kunden angeboten wurde, möchte ich noch einmal vor dem Hintergrund der immer größer werdenden Altersarmut darauf eingehen.

Als Altersvorsorgeberater erlebt man jede Woche Kunden, die einem stolz verkünden, sie hätten ja bereits privat vorgesorgt. Mit einer Riesterrente!

Schaut man dann in die Vertragsunterlagen, liest man meist folgendes:

Garantierte Rente in 30 Jahren: 100,- Euro pro Monat.

Bei nur 2% Inflationsrate ergibt das also ein Kaufkraft von ca. 50,- Euro in 30 Jahren.

Und das bei Menschen die i.d.R. Rentenlücken von 500,- bis über 1000,- Euro haben.

Hier ist die Sozialhilfe wohl schon besser jetzt zu beantragen.

Wo liegen die Fehler?

1.) Jedes Kapitalanlageprodukt muss sich auch ohne Steuervorteile oder staatliche Zulagen rechnen. In Riesterprodukten dagegen wurden nur die renditeschwächsten und kostenintensivsten Ladenhüter wie Lebensversicherungen oder schlechte Investmentfonds gepackt. Die Politik wollte das Thema Altersarmut anpacken, hatte aber keine Ahnung wie und wurde daraufhin von der Versicherungslobby über den Tisch gezogen. Dies kann man auch an der extrem hohen Bürokratie der Riesterprodukte sehen. Die Versicherungen geben hier Kosten von oft über 30% an die Kunden weiter. So etwas kann sich niemals rechnen. Viele Riesterkunden haben trotz Zulagen mit 90 Jahren noch immer ein Minus auf ihrem Konto (siehe z.B. den Leitartikel der Wirtschaftswoche bereits in Heft 31/2009: „Die Riester Lüge“)

2.)Die Bürokratie überfordert viele Riesterkunden, weshalb man in der Praxis oft Kunden begegnet, die noch nie einen Zulagenantrag gestellt haben. Die Riesterrente ist sehr erklärungsbedürftig, aber viele Berater verdienen an den Miniverträgen offensichtlich zu wenig, so dass sie meistens mit dem Hinweis auf staatliche Förderung ohne ausreichende Beratung verkauft werden. Wer von Kapitalanlageprodukten etwas versteht, würde nie ein solches Riesterprodukt abschließen

3.) Riesterrenten lohnen sich nur für Personen mit mindestens drei Kindern (pro Kind gibt es dann 185,- bzw. bei ab 2008 geborenen Kindern 300,- Euro Zulage) und mit dem 4%igen Jahresbruttomindestbeitrag von 60,- Euro (= 5,- Euro pro Monat). Das maximale Bruttojahreseinkommen liegt hier also bei 20- 25 Tsd. Euro. Absolut unrentabel sind Riesterrenten dagegen bei Personen ohne Kinder oder mit nur einem Kind (wie es bei den meisten Riestersparern der Fall ist)

Die Politik hat bei der Bekämpfung der kommenden Altersarmut komplett versagt. Die Anzahl der Personen, die aufgrund eines niedrigen Einkommens und zahlreicher Kinder von dem Konzept der Riesterrente profitieren, liegt bei etwa 10% aller Riesterrentner. Bei allen anderen ist es eine Verschwendung von Steuergeldern um die Versicherungslobby zu finanzieren und ein beschwichtigen von Menschen, die sich Sorgen um ihre finanzielle Zukunft machen und wirklich ernsthaft glauben, sie hätten mit dem Abschluss einer Riesterrente die Probleme im Griff.

Leider gibt es noch weitere, wenn auch harmlosere, staatlich verordnete aber absolut unsinnige Finanzprodukte. Hierzu zählen z.B. die VWL (vermögenswirksamen Leistungen) und die Rürup (bzw. Basis-) Rente.

Die VWL werden wenn überhaupt nur noch mit Minizulagen (oftmals nur 6,- Euro pro Monat) vom Arbeitgeber gefördert und zudem wie bei der o.g. Riesterrente in absolute Ladenhüter investiert. Falls man als Arbeitnehmer VWL Leistungen erhält, dann sollten diese in eine sinnvolle BAV (betriebliche Altersvorsorge) Lösung investiert werden. So kann ein Arbeitnehmer statt 43,- – 80,- Euro jährlicher Sparzulage teilweise über 1000,- Euro Steuer-, Sozialabgaben- und Arbeitgeberzuschuss bekommen.

Bei der Rürup Rente ist neben der mangelnden Flexibilität und den oft ebenfalls überholten Finanzprodukten das Hauptproblem die Hinterbliebenenabsicherung. Oft gehen große Anteile des angesparten Vermögens im Todesfall des Sparers an den Staat und die Hinterbliebenen gehen leer aus.

Fazit:

Staatlichen Finanzprodukten fehlte schon immer der Bezug zur Praxis und zu den Märkten. Ob dies mit Steuersparmodellen wie z.B. Filmfonds, Schifffonds, Abschreibungsobjekten oder mit Riester und Rürup Renten der Fall ist. Allen ist gemeinsam, das mit diesen Produkten nur sehr wenige Personen glücklich wurden. Für die absolute Mehrheit wird es ein Reinfall mit finanziellen Verlusten bleiben.