Brexit – mehr Chance als Risiko

Und wieder einmal sind (fast) alle auf dem falschen Fuß erwischt worden. England wird vielleicht noch in diesem Jahr definitiv aus der EU austreten. Insbesondere die europäischen Börsen sind kurzfristig eingebrochen, das Pfund ist noch etwas schwächer als Anfang des Jahres geworden und Verlierer Cameron wird in den nächsten Wochen zurücktreten. Ein Grund zur Panik? Natürlich nicht.

Hier ein paar Ideen wie es weitergehen könnte:

Zuerst einmal braucht es eine Politikerin wie die Innenministerin Theresa May als Premierministerin, die die verfeindeten Lager von “Remain” und “Leave” wieder vereint. Anschließend werden die Abkommen zwischen EU und England so ausgehandelt, das beide Seiten keine nennenswerten Einbußen ihrer Wirtschaftsbeziehungen befürchten müssen, auch wenn sich England jetzt mehr den Märkten USA und China widmen kann. Auch werden Abkommen ähnlich wie CETA oder TTIP in Zukunft wohl nur noch von England und nicht mehr der EU unterzeichnet werden, was uns in Deutschland im weltweiten Freihandel deutlich gegenüber England zurück werfen wird. Ein neues Referendum der Schotten, welches wohl frühestens im Oktober kommen könnte birgt keine Gefahr, da bis dahin die offensichtlichen Vorteile des Brexit die Nachteile deutlich überwiegen. Die fallenden Immobilienpreise speziell in London werden auf Dauer die einzigen Nachteile sein, die noch vom Brexit übrig bleiben neben den Nachteilen für schlecht qualifizierte ausländische Arbeitskräfte. Alles andere lässt sich problemlos in Verhandlungen mit der EU lösen. Auch hat England im Gegensatz zu Deutschland, Frankreich oder Italien nicht nur eine couragiert auftretende Premierministerin, sondern einen ebenfalls hervorragenden (ehemals kanadischen) Notenbankchef. Dieser Mark Carney hat nicht nur Kanada bereits 2008 erfolgreich durch die Finanzkrise gebracht, er hat auch die Börsenmärkte an den Tagen direkt nach dem Brexit gestärkt, so dass der Londoner FTSE 100 Index derzeit von einem zum nächsten Höchststand klettern kann. Und die Börse ist ja bekanntlich der Realwirtschaft immer zwei Jahre voraus. Eine Abwertung des britischen Pfundes ist dagegen gewollt, da es dem britischen Export gewaltig helfen wird. Eine Senkung der Körperschaftssteuer auf 15% (Frankreich 38%, Deutschland 29%) macht England für viele ausländische Firmen zusätzlich attraktiv. In spätestens fünf Jahren hat England Deutschland dann endgültig überholt.

Ende des Jahres wird man feststellen, das die Brexit Panik viel Wirbel um nichts gebracht hat. Aber es besteht demgegenüber die große Chance, das der Brexit neuen Schwung in verkrustete britische als auch in überbürokratisierte europäische Strukturen bringt und damit die Wettbewerbsfähigkeit z.B. gegenüber China endlich wieder einmal erhöht.

P.S.: da unsere Vermögensverwalter im Aktienbereich zu ca. 28% in nordamerikanische Aktien investiert hatten können wir Gewinne binnen Jahresfrist von über 6% (Stand 30.6.16) vorweisen, was deutlich besser ist, als ein deutsches Sparbuch zu besitzen.